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Aufführungen / Theater Harztheater Quedlinburg Quedlinburg, Marschlinger Hof 17/18
Aufführungen / Theater Harztheater Halberstadt Halberstadt, Spiegelstr. 20a
Aufführungen / Theater Theater Marl Halberstadt, Straße der Opfer des Faschismus 38
Aufführungen | Schauspiel

JIMMY – Dialog für einen isolierten Spieler

THEATERNATUR Festival

Jimmy hat alles im Griff. Sein Zuhause denkt mit, spricht mit und weiß mehr über ihn als jeder Mensch. Dann kommt eine Katze – und plötzlich gerät die perfekte Ordnung ins Wanken. Ein humorvoller Monolog über Kontrolle, Chaos und die Sehnsucht nach echter Verbindung. Wir schreiben das Jahr 2035. Die künstliche Intelligenz übernimmt die Arbeit, das SmartHome organisiert den Alltag, ein bedingungsloses Grundeinkommen sorgt für Sicherheit. Die Welt scheint endlich effizient, bequem und friedlich. Es gibt kaum noch etwas, worüber man sich Sorgen machen müsste. Oder gerade deshalb? Jimmy lebt in dieser scheinbar perfekten Zukunft. Sein Algorithmus entscheidet, welche Meditation ihm guttut, welches Fernsehprogramm ihn entspannt und welcher Mensch zu ihm passt. Alles funktioniert. Bis er das Erbe seiner Tante antritt – und statt Geld ausgerechnet ihre Katze bekommt. Mit dem neuen Mitbewohner zieht etwas in Jimmys Leben ein, das sich weder berechnen noch optimieren lässt. Die Katze kratzt an seiner makellosen Fassade, bringt ihn aus dem Konzept und wird schließlich zu einem unerwarteten Gegenüber. Aus einem zynischen Monolog entwickelt sich ein Schlagabtausch zwischen Mensch und Tier, zwischen technologischem Komfort und ungezähmter Natur, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und irgendwann stellt sich die Frage: Wer hat hier eigentlich wen domestiziert? Mit feinem Humor, scharfen Dialogen und überraschenden Wendungen entwirft JIMMY eine ebenso witzige wie kluge Science-Fiction-Geschichte. Inspiriert von Motiven aus Black Mirror und dem Gestiefelten Kater richtet der Abend den Blick nicht auf ferne Zukunftsvisionen, sondern auf unsere Gegenwart. Wie viel Kontrolle macht das Leben leichter – und ab wann verlieren wir dabei etwas Wesentliches? Kann echte Nähe entstehen, wenn Algorithmen längst besser über uns Bescheid wissen als wir selbst? Und was passiert, wenn ausgerechnet eine Katze beginnt, die richtigen Fragen zu stellen? Ein intelligenter, rasanter Theaterabend voller Sprachwitz, bissiger Gesellschaftskritik und überraschender Wärme – über den Versuch, in einer perfekt vernetzten Welt wieder lebendig zu werden. Schauspiel / Konzept: Leon Rüttinger
Aufführungen | Schauspiel

Der gekleistete Krug

THEATERNATUR Festival

An der Töpferscheibe herrscht Ausnahmezustand. Eigentlich wollte sie einfach nur Krüge töpfern. Doch seit einem Zwischenfall vor rund 200 Jahren wird sie den berühmtesten Krug der Theatergeschichte einfach nicht mehr los. Zwischen Ton und Scherben wird fleißig geklebt, voller Humor stellt sich schließlich die Frage, was lässt sich eigentlich wirklich kitten? Und wird das reichen? In einem Keramikstudio, wie es heute überall zu entstehen scheint, sitzt eine Frau an ihrer Drehscheibe. Sie formt Ton, beantwortet Fragen, wird ständig unterbrochen – und verkauft am Ende doch keinen einzigen Krug. Denn sie ist ausgerechnet die Frau hinter dem zerbrochnen Krug. Seit Heinrich von Kleists berühmtem Lustspiel klebt diese Geschichte an ihr fest. Über zweihundert Jahre später versucht sie noch immer, sich davon zu lösen. Kurz vor Ladenschluss betritt Eve die Werkstatt. Mit ihr geraten Erinnerungen, Rollenbilder und alte Erzählungen erneut in Bewegung. Aus Ton wird Theater, aus einer scheinbar alltäglichen Werkstatt ein ebenso komischer wie berührender Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen. Inspiriert durch Phoebe Waller-Bridges Theaterstück Fleabag entwickelt Émelie Haus einen ungewöhnlichen Soloabend zwischen Schauspiel, Keramikkunst und feinem Humor. Während an der Drehscheibe neue Gefäße entstehen, geht es um Brüche, Einsamkeit und die Sehnsucht danach, Dinge wieder zusammenzufügen. Mal leichtfüßig und absurd, mal leise und nachdenklich entsteht ein Theatererlebnis, das zeigt: Nicht jede Scherbe lässt sich unsichtbar kleben. Aber manchmal erzählen gerade die Risse die spannendsten Geschichten. Besetzung Schauspiel + Konzept: Émelie Haus Team: Annika Schäfer, Julia Sontag, Benjamin Junghans, Friedrich Packmohr, Anna Ivanova, Elea Claße, Wim Knieriem, Veronika Lang, Josephine Kretschmer Eine Produktion von Émilie Haus und Team in Zusammenarbeit mit Werkstattmacher e.V. und LOFFT – DAS THEATER. Gefördert von der Stadt Leipzig – Kulturamt. Mit Unterstützung von Andrea Wolbring & Lindemann Maschinenbau.
Aufführungen | Performance

Secret Ingredients – Geheime Zutat

THEATERNATUR Festival

Altwerden? Nur über unsere Leichen! Zum Glück klappt das bekanntlich nicht. Falten wegfiltern, Kohlsuppe löffeln, Kollagenpulver schlucken, Quark ins Gesicht und der ewigen Jugend hinterherjagen – der Jugendwahn hat uns fest im Griff. Aber warum eigentlich? Gibt es überhaupt etwas, das uns alle mehr verbindet als das Älterwerden? Anlässlich ihres 30. Geburtstags begeben sich die Performerinnen Laura und Elli auf einen ungewöhnlichen Selbstversuch: Sie üben das Altern. In einer Heldinnenreise voller Mutproben, Begegnungen und überraschender Erkenntnisse suchen sie nach den geheimen Zutaten eines guten Lebens. Sie testen Ratgeber, Schönheitsversprechen und Longevity-Hacks, stellen sich ihren Ängsten, scheitern mit Anlauf und entdecken dabei, dass das Älterwerden vielleicht viel weniger beängstigend ist als der Versuch, ihm ständig zu entkommen. Mit grandiosem Objekttheater, viel Selbstironie und einem feinen Gespür für absurde Komik werden Kohlköpfe zu Mitspielern, Lebensberatern und treuen Weggefährten. Sie werden getragen, gewaschen, umarmt, zerlegt und schließlich gemeinsam mit den Performerinnen eingelegt. Was zunächst herrlich skurril wirkt, entfaltet nach und nach eine überraschende Poesie. Secret Ingredients erzählt nicht vom perfekten Leben, sondern davon, wie wir lernen können, mit Veränderung zu leben. Humorvoll, sinnlich und voller Wärme bricht die Performance mit einem der größten Tabus unserer Konsumgesellschaft und macht aus dem Altern eine gemeinsame Heldenreise. Ein Theaterabend zum Lachen, Staunen und Wiedererkennen – und einer, nach dem Sie vermutlich anders auf den Kohl im Supermarkt schauen werden. Konzept / Performance: Elisabeth Graaf, Laura Marleen Kreutz Konzept / Dramaturgie / Endregie: Irina Amstutz, Anna Höllmüller Szenografie: Gabriel Jeanjean, Ins Meyer Kostüm: Melchior Silbersack Musik: Luka Kleine Videokunst: Felix Zilles-Perels Produktionsmanagement: Laurens Herzog Gefördert von Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, Kommission für künstlerische und wissenschaftliche Vorhaben UdK Berlin, Frauenförderung UdK Berlin. Secret Ingredients wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Tanz, gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur – und Kunstministerien der Länder.
Aufführungen | Schauspiel

Die Lauchhammer Files

THEATERNATUR Festival

Stell dir vor, eine Regierung beschließt, die perfekte Tanzmusik zu entwickeln. Für eine bessere Gesellschaft. Berlin, 1959: Die DDR-Führung zittert vor dem westlichen Rock ’n’ Roll. Die Lösung? Eine staatlich verordnete Tanz-Offensive! Die Lauchhammer-Files bringt mit viel Livemusik ein skurriles Stück Zeitgeschichte auf die Bühne. Ein humorvolles Verwirrspiel um Kunst, Kontrolle und Utopie. – Kann man Rebellion eigentlich wegtanzen? 1959 versammelt die DDR Musiker, Kulturfunktionäre und Wissenschaftler zur ersten Tanzmusikkonferenz des Landes nach Lauchhammer. Was wie eine Satire klingt, ist tatsächlich passiert. Die Mission: den Sound des Sozialismus erfinden. Musik soll nicht nur unterhalten, sondern Menschen formen, Gemeinschaft stiften und den Rock ’n’ Roll aus dem Westen überflüssig machen. Kann ein Rhythmus politisch sein? Lässt sich guter Geschmack planen? Und kann ein Tanz die Welt verändern? Das Berliner Theaterkollektiv LUNATIKS und der Historiker Lothar Berndorff haben die verschollen geglaubten Akten dieser ebenso kuriosen wie erstaunlichen Konferenz im Archiv der Akademie der Künste wiederentdeckt. Aus Originaldokumenten, historischen Figuren, Livemusik und viel Spielfreude entsteht ein doku-fiktionaler Theaterabend, der Konzert, Geschichtserzählung und Schauspiel raffiniert miteinander verbindet. Vergangenheit und Gegenwart geraten dabei immer wieder ins Gespräch. Je weiter der Abend voranschreitet, desto größer wird das Vergnügen an den Absurditäten dieser Geschichte. Da wird leidenschaftlich über Rhythmen gestritten, über Gitarren debattiert und darüber, welche Musik die Jugend hören sollte. Man lacht über die Bürokratie, staunt über den Erfindungsreichtum – und merkt plötzlich, dass die eigentliche Frage bis heute geblieben ist: Wer bestimmt eigentlich unseren Soundtrack? Damals waren es Kulturfunktionäre. Heute vielleicht Algorithmen, Streamingdienste oder Social Media. DIE LAUCHHAMMER FILES sind ein ebenso kluger wie mitreißender Theaterabend voller Livemusik, Humor und überraschender Geschichten. Ein Stück Zeitgeschichte, das klingt wie eine Erfindung – und gerade deshalb so viel über unsere Gegenwart erzählt. Choreografie: Eleonora M. Talamini Konzept / Text / Regie: Janette Mickan Konzept / Text / Musikdirektion: Lothar Berndorff Bühne / Grafik: Dunja Berndorff Kostüm: Kathrin Mickan Lichtdesign: David Ojala Outside Eye / Endregie: Hanna Müller Produktionsleitung: Julia zur Lippe Assistenz: Philipp Hardy-Lau Maske: Luisa Liebe Filmproduktion: filmgestalten (Manuel Kinzer) Produktion: LUNATIKS / Berndorff-Mickan Ltd. Koproduktion: TD Berlin Förderung: Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds sowie den Fonds Darstellende Künste – Rechercheförderung 2024.
Aufführungen | Performance

Herbert

THEATERNATUR Festival

Stell dir vor, du entdeckst einen Menschen in deiner Familie, von dem dir niemand je erzählt hat. Mark Christoph Klee folgt den Spuren seines Urgroßonkels Herbert. Aus Fotos, Erinnerungen und mitreißendem Tanz wächst ein Abend, der Geschichte nicht erklärt, sondern spürbar macht – und dabei überraschend viel Lebensfreude entfaltet. Kann die Geschichte eines einzigen Menschen uns näher zusammenbringen? Herbert (1924–2012) wurde während der NS-Diktatur als homosexueller Mann nach §175 verfolgt und inhaftiert. Jahrzehntelang blieb seine Geschichte in der eigenen Familie nahezu unerzählt. Aus Fotos, Archivmaterial, Musik der 1950er- und 1960er-Jahre und intensiver Körperarbeit entwickelt sich eine Performance, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Was bedeutet es heute, queer zu leben? Welche Folgen haben Schweigen und Ausgrenzung über Generationen hinweg? Und wie nah sind manche gesellschaftlichen Debatten unserer Gegenwart den Mechanismen, die einst Verfolgung möglich machten? Dabei geht es nie um ein bloßes Nacherzählen historischer Ereignisse. „Herbert“ macht Geschichte körperlich erfahrbar. In intimen Szenen aus Bewegung, Text und Sound entstehen Bilder von Angst, Verletzlichkeit und Wut – aber ebenso von Begehren, Widerstand und Lebensfreude. Gerade dieser Wechsel macht den Abend so besonders: Er zeigt queeres Leben nicht als Opfergeschichte, sondern als Geschichte von Mut, Selbstbehauptung und Gemeinschaft. Aus der Biografie eines einzelnen Menschen wächst schließlich eine Frage, die uns alle betrifft: Was passiert, wenn wir den Geschichten zuhören, die viel zu lange übersehen wurden? Vielleicht entsteht genau dort etwas, das heute dringender gebraucht wird denn je – Verständnis füreinander. Vielleicht liegt darin ein Klebstoff, der Menschen wieder miteinander verbindet und das Gemeinsame sichtbarer macht als das, was sie trennt. Ein bewegender, kluger und zugleich überraschend lebensbejahender Theaterabend, der lange nachwirkt. Performance: Mark Christoph Klee Dramaturgie: Angelique Willkie, Guy Cools Künstlerische Zusammenarbeit: Coralie Merle, Jasiek Mischke Dank an: Regine Schmidt, Harald Haaker, Familie Klee und Familie Horn
Aufführungen | Schauspiel

#armutsbetroffen

THEATERNATUR Festival

Der Eiswagen klingelt. Yeah! Doch was kostet es eigentlich, dazuzugehören? Ein Eis. Eine Klassenfahrt. Eine funktionierende Waschmaschine. Oder alles drei? Millionen Menschen erleben täglich, was es bedeutet, verzichten zu müssen, Ausreden zu erfinden oder sich für Dinge zu schämen, die selbstverständlich sein sollten. Armut ist in Deutschland allgegenwärtig – und doch bleibt sie oft unsichtbar. Aus hunderten persönlichen Geschichten der Bewegung #IchBinArmutsbetroffen ist ein Theaterabend entstanden, der bundesweit für Aufsehen sorgte und einen Blick auf Lebensrealitäten eröffnet, die viele kennen – über die jedoch viel zu selten gesprochen wird. Unter der Regie des vielfach ausgezeichneten Helge Schmidt bringen Agnes Decker, Laura Uhlig und Ruth Marie Kröger diese Geschichten mit großer Intensität, feinem Humor und beeindruckender Schauspielkunst auf die Bühne. Dabei geht es nicht um Statistiken oder moralische Belehrungen, sondern um Menschen. Um den Wunsch, dazuzugehören. Um Scham, Wut, Hoffnung und Solidarität. Und um die kleinen Momente, in denen sich entscheidet, wer mitmachen kann – und wer außen vor bleibt. Nah, ungeschönt und schonungslos ehrlich bringt #armutsbetroffen die Realität von Millionen Menschen direkt auf die Bühne. Gleichzeitig ist dieser Abend überraschend komisch, berührend und voller Leben. Er erzählt von Menschen, die trotz aller Hürden lachen, kämpfen und füreinander da sind. Ein tief berührender, wütender und zugleich hoffnungsvoller Theaterabend, der unterhält, bewegt und wach rüttelt. Mit: Agnes Decker (u. a. SOKO Leipzig und Im Schatten der Hexen beim THEATERNATUR), Ruth Marie Kröger, Laura Uhlig Text: Monja Ben Messaoud, Janne Groß, Hansen! Watt, Else?, Stefan Hübner, Karen, Janina Lütt, Malina, Meral Ökten, Jenny Pricken sowie zahlreiche #IchBinArmutsbetroffen-Twitter-User Regie: Helge Schmidt Bühne: Lea Kissing Kostüm: Lea Brüggemann Musik: Frieder Hepting Lichtdersign: Sönke C. Herm Outside Eye: Verena Brakonier, David Heiligers Produktionsleitung: aja Jakstat (Zwei Eulen) Produktion: Helge Schmidt und Team Entstanden als Koproduktion mit dem TD Berlin und LICHTHOF Theater Hamburg Förderung: Hauptstadtkulturfonds, Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Kultur und Medien, ZEIT-Stiftung Evelin und Gerd Bucerius, Ilse und Dr. Horst Rusch-Stifung, Rudolf Augstein Stiftung Kooperation mit Projekt Alltägliche Armutserfahrungen – „Erzählen als politisches Sprechen“ der Arbeitsgruppe Theorie und Methoden der Sozialen Arbeit an der Universität Duisburg-Essen. Das Projekt wird von Helen Dambach, Lena-Maria Nägle und Prof. Dr. Holger Schoneville geleitet und von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert Wiederaufnahmeförderung Berlin Hauptstadtkulturfonds. Das Gastspiel von #armutsbetroffen wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Theater, gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur – und Kunstministerien der Länder. Das Gastspiel wir unterstützt durch die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt.
Aufführungen | Schauspiel

Sie sagen stopp

THEATERNATUR Festival

TAG DER OFFENEN TÜR Aus einer Kleinigkeit wird eine Katastrophe, aus einer Katastrophe wird ein Witz, aus einem Witz wird ein großer Theaterspaß. “Sie sagen Stopp” ist klug und urkomisch, voller Sprachwitz, überraschender Wendungen und liebevoller Bosheiten. Ausgewählt von der lokalen Jury aus Bewohner*innen des Harzes. Aus einem Missverständnis wird ein Streit. Aus einem Streit ein Gedankensprung. Aus einem Gedankensprung eine Begegnung, die plötzlich alles auf den Kopf stellt. In „Sie sagen Stopp“ nehmen Elisabeth Hart und Rhaban Straumann die kleinen Reibungen des Alltags als Ausgangspunkt für ein ebenso kluges wie urkomisches Theaterstück, das mit jeder Szene überraschende neue Richtungen einschlägt. Was zunächst harmlos wirkt, entpuppt sich als präzise Beobachtung darüber, wie wir miteinander sprechen, aneinander vorbeireden und uns trotzdem immer wieder begegnen. Eine Deutsche. Ein Schweizer. Zwei Mentalitäten, zwei Blickwinkel, ein ganz gewöhnlicher Tag – und doch scheint nichts wirklich zusammenzupassen. Zwischen Wartezimmer, Telefonaten, zufälligen Begegnungen und absurden Gedankenspiralen entfaltet sich ein bilderreicher Theaterabend über Kommunikation, Vorurteile und die kleinen Abgründe des Menschseins. Sprachwitz trifft auf feine Bosheit, Poesie auf Alltag, Komik auf leise Melancholie. Immer wieder kippen Situationen ins Absurde, ohne dabei ihre Wahrhaftigkeit zu verlieren. Hart auf Hart gehört zu den spannendsten Stimmen des deutschsprachigen Satiretheaters. Mit schauspielerischer Präzision und einem außergewöhnlichen Gespür für Sprache erzählen Elisabeth Hart und Rhaban Straumann Geschichten, die gleichzeitig federleicht und erstaunlich tiefgründig sind. Sie lachen nie über ihre Figuren, sondern mit ihnen – und genau darin liegt der besondere Charme dieses Abends. „Sie sagen Stopp“ wurde von der Bewohner*innenjury des Harzes aus rund 400 Bewerbungen für das THEATERNATUR Festival ausgewählt – eine Produktion, die mit Witz, Intelligenz und großer Spielfreude zeigt, wie komisch das Menschsein sein kann.
Aufführungen | Schauspiel

Hamlet Variationen

THEATERNATUR Festival

TAG DER OFFENEN TÜR Der Vater tot. Die Mutter mit dem Falschen verheiratet. Ein Geist verlangt Rache. Und Hamlet weiß nicht mehr, wem er trauen soll. Sein oder nicht sein? Donnerndes Schlagzeug und feinste Klangwelten treiben Shakespeares tragischsten Helden durch seine eigene Geschichte – und zeigen ihn in immer neuen Variationen. Der Rest ist Schweigen. Für alle, die Hamlet nie verstanden haben. Und für alle, die glauben, ihn längst zu kennen. Sein oder nicht sein? Diese Frage kennst du auch, oder? – auch ohne jemals Shakespeare gelesen zu haben. Genau hier setzen HAMLET VARIATIONEN an: Simon Mazouri befreit den berühmtesten Prinzen der Theatergeschichte aus dem Schulunterricht und macht ihn zu einem mitreißenden Theatererlebnis voller Musik, Spielfreude und überraschender Leichtigkeit. Hamlet ist keine Figur mit nur einer Stimme. Er ist zweifelnder Sohn, Philosoph, Liebender, Rebell, Spieler und Suchender zugleich. Statt Shakespeares Tragödie einfach nachzuerzählen, spürt Simon Mazouri diesen widersprüchlichen Facetten nach und macht sie in immer neuen Variationen erlebbar. So entsteht ein Theaternachmittag, der auch ohne Vorkenntnisse funktioniert – und gerade deshalb Lust auf Shakespeare macht. Das Besondere: Mazouri ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Multiinstrumentalist. Schlagzeug, Marimba, Bass und zahlreiche weitere Instrumente werden zu Mitspielern auf der Bühne. Sie widersprechen Hamlet, treiben ihn an, verleihen seinen Gedanken Rhythmus oder bringen seine Gefühle überhaupt erst zum Klingen. Musik und Schauspiel verschmelzen zu einer ebenso virtuosen wie unmittelbaren Bühnensprache, in der jede Szene eine neue Seite dieser außergewöhnlichen Figur sichtbar macht. Mal humorvoll und verspielt, mal kraftvoll und existenziell entwickelt sich ein ebenso kluger wie unterhaltsamer Theaternachmittag zwischen Konzert, Schauspiel und Performance. Shakespeare wird hier nicht ehrfürchtig ausgestellt, sondern mit großer Lust am Spiel neu entdeckt – lebendig, überraschend und voller Energie. HAMLET VARIATIONEN ist eine Einladung, einer der faszinierendsten Figuren der Theatergeschichte ganz neu zu begegnen – egal, ob Shakespeare-Liebhaber*in oder zum ersten Mal dabei.
Aufführungen | Performance

Die Entfesselung des Sebastian

THEATERNATUR Festival

TAG DER OFFENEN TÜR Schützenfest. Fahnen. Blasmusik. Was nach vertrauter Dorftradition klingt, wird in Die Entfesselung des Sebastian zu einer ebenso kraftvollen wie poetischen Performance. Ein Stück Gemeinschaft – und darüber, wie Traditionen sich verändern, wenn Menschen sie für sich neu entdecken. Kaum etwas prägt das Leben auf dem Land so sehr wie Vereine, Schützenfeste und gemeinschaftliche Rituale. Hier wird gefeiert, musiziert, angepackt – und Zugehörigkeit entsteht oft ganz selbstverständlich. Doch was geschieht, wenn sich diese Traditionen verändern? Wer darf mitmachen? Wer entscheidet darüber? Und welche Geschichten erzählen wir uns eigentlich über das, was wir bewahren wollen? Mit „Die Entfesselung des Sebastian“ lädt Katze Greeven zu einer ebenso poetischen wie überraschenden Performance ein, die Brauchtum neu erfindet. Ausgangspunkt ist das Fahnenschwenken beim niederrheinischen Schützenfest – eine jahrhundertealte Praxis voller Präzision, Körperlichkeit und Ritual. Als Kind verfolgte Greeven fasziniert die kunstvollen Figuren der Fahnenschwenker. Eine davon trägt den Namen „Die Fesselung und Entfesselung des heiligen Sebastian“. In Katzes Heimatdorf waren es ausschließlich Männer, die diese Tradition ausübten. Heute lernt die Künstler*in die überlieferten Bewegungsabläufe gemeinsam mit dem eigenen Bruder. Ausgerechnet die Bewegungsabfolge des Sebastian wird nun zum Ausgangspunkt einer völlig neuen Erzählung. Gemeinsam mit der Musikerin Cordula Heins und der Hornistin Karin Knobloch verwandelt Katze Greeven das vertraute Brauchtum in ein mitreißendes Bühnenerlebnis. Fahnen wirbeln durch die Luft, Gesang trifft auf Blasmusik, Prozession wird Performance und aus einer überlieferten Choreografie entsteht ein sinnliches Spiel mit Identität, Erinnerung und Gemeinschaft. Was zunächst vertraut erscheint, beginnt sich vor den Augen des Publikums zu verändern – humorvoll, überraschend und voller Lust am Umdeuten. Dabei stellt die Performance nicht Tradition an den Pranger. Sie feiert ihre Kraft und fragt zugleich, wie lebendig sie sein kann. Was bleibt, wenn Rituale für neue Menschen geöffnet werden? Kann aus einem Schützenfest plötzlich eine queere Utopie werden? Kann ein Heiliger zum Dragking werden? Und vielleicht die schönste Frage überhaupt: Wie viel Zukunft steckt eigentlich in dem, was wir seit Generationen wiederholen? Die Entfesselung des Sebastian ist ein ungewöhnlicher Theaterabend voller Musik, Bewegung und überraschender Bilder – eine Einladung, Tradition einmal mit anderen Augen zu sehen und gemeinsam neu zu entdecken. Choreografie & Performance: Katze Greeven Gesang, Komposition & Performance: Cordula Heins Horn, Komposition & Performance: Karin Knobloch Kostüm, Fahnen & Bühne: Staeff Günther Fahnenschwenktraining: Laurenz Greeven Dramaturgie: Judith Strodtkötter Choreografisches Outside Eye: Neus Ledesma Vidal Critical Observing: Yvonne Sembene Produktionsleitung: Anne Storm Video: Todor Joe Musev & Melanie Hauffe Koproduktion: Schwankhalle. Gefördert vom Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen, der Sparkasse Bremen und dem Ortsbeirat Neustadt. „Die Entfesselung des Sebastian“ wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Theater, gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur- und Kunstministerien der Länder.
Aufführungen | Schauspiel

RADIKAL JUNG – Rechtsextremismus unter Jugendlichen

THEATERNATUR Festival

Gut zu verführen? Es beginnt mit einem Video. Einem Witz. Einem Like. Doch wann wird aus Neugier Überzeugung? RADIKAL JUNG wirft einen schonungslosen und packenden Blick auf die oft unsichtbaren Mechanismen modernen Rechtsextremismus. Ein hochaktueller Theaterabend, der nicht erklärt, sondern Verführung erfahrbar macht. Niemand wacht morgens auf und entscheidet sich, radikal zu werden. Radikalisierung geschieht meist leise – Schritt für Schritt, zwischen Social Media, Freundeskreis, Schule und dem Wunsch, dazuzugehören. Mit RADIKAL JUNG widmet sich das Berliner Kollektiv Polyformers einem der drängendsten Themen unserer Zeit: der neuen Attraktivität rechter Ideologien unter Jugendlichen. Statt einfacher Erklärungen oder moralischer Urteile entsteht ein dokumentarischer Theaterabend, der sein Publikum mitten in die Mechanismen dieser Entwicklung hineinführt. Wie funktionieren digitale Echokammern? Warum wirken manche Botschaften so verführerisch? Wann wird aus Zustimmung Überzeugung – und wie gelingt es demokratiefeindlichen Erzählungen, junge Menschen für sich zu gewinnen? Grundlage der Inszenierung sind intensive Recherchen, Gespräche mit Expert:innen sowie die Zusammenarbeit mit Jugendlichen. Gemeinsam mit professionellen Schauspieler:innen stehen junge Menschen auf der Bühne und bringen ihre eigenen Erfahrungen, Fragen und Perspektiven ein. So entsteht ein vielschichtiger Blick auf eine Generation zwischen Orientierungssuche, Sehnsucht nach Gemeinschaft und digitalen Einflusswelten. Doch RADIKAL JUNG bleibt nicht auf Distanz. Polyformers verwandeln den Theaterraum in ein Experiment. Das Publikum beobachtet nicht nur – es erlebt unmittelbar, wie Verführung funktioniert und wie schmal der Grat zwischen harmloser Unterhaltung, gezielter Manipulation und ideologischer Vereinnahmung sein kann. Gerade dadurch entsteht kein belehrendes Lehrstück, sondern ein intensiver Theaterabend, der Fragen stellt, statt einfache Antworten zu geben. Passend zum Festivalmotto un|verbunden? richtet der Abend den Blick auf eine der entscheidenden Fragen unserer Gegenwart: Warum suchen Menschen Gemeinschaft ausgerechnet dort, wo andere ausgegrenzt werden? Und was braucht es, damit Zugehörigkeit nicht auf Hass, sondern auf Offenheit und demokratischem Miteinander entsteht? Mit: Lorris Andre Blazejewski, Valentin Kleinschmidt, Florenz Schüssler Regie / Projektleitung: Fabian Rosonsky Bühne + Kostüm: Sarah Methner Dramaturgie: Lena Gaiser Musik: Matthias Erhard Vermittlung: Christine Daniels Fachberatung / Outside Eye: Andreas Speit Presse- / Öffentlichkeitsarbeit: Sandra Ellegiers Technische Leitung: Robert Schüller, Moritz Schreibeis Assistenz: Yael Ostereier Fotos: Sarah Krahlisch RADIKAL JUNG wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Theater, gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur- und Kunstministerien der Länder.
Aufführungen | Tanz

TANZ|DOPPEL|ABEND | un|verbunden?

THEATERNATUR Festival

Wenn Worte fehlen, beginnt Bewegung. Zwei Choreografien, zwei Handschriften. Ein Tanzdoppelabend über Nähe und Distanz, der das erfahrbar macht, wofür Sprache oft nicht ausreicht. Realidead TANZPERFORMANCE | 30 Min | Lena Valentina Hauth & Jovana Petrovska Zwei Körper teilen den selben Raum – aber nicht dieselbe Wirklichkeit. Können Sie dennoch zueinander finden? Bewegung greift ineinander, verändert sich, Körper treffen aufeinander. In eindrucksvollen Bildern wird „Realidead“ zu einer tänzerischen Suche nach Verbindung und gemeinsamer Realität. EMBERS | Today is Yesterday and Tomorrow is another place ZEITGENÖSSISCHER TANZ | 70 Min | Lisa Bless & Anand Dhanakoti, Heidelberg Sie haben nahezu alles verloren, alles brennt. Und trotzdem sucht jemand deine Hand. Jede Zukunft erzählt auch immer davon, wie wir heute miteinander leben. EMBERS ist ein hypnotischer Tanzabend, Ritual und Zukunftsvision, radikal sinnlich und von hypnotischer Schönheit. REALIDEAD Was geschieht, wenn zwei Menschen denselben Raum teilen – aber nicht dieselbe Wirklichkeit? Mit beeindruckender Präzision und großer körperlicher Intensität entwerfen Lena Valentina Hauth und Jovana Petrovska in ihrer Tanzperformance Realidead eine Welt, in der Begegnung alles andere als selbstverständlich ist. Zwei Körper treffen aufeinander: der eine weich, organisch und durchlässig, der andere geformt, begrenzt und von unsichtbaren Regeln bestimmt. Was zunächst wie ein Gegensatz erscheint, entwickelt sich zu einem faszinierenden Spiel aus Annäherung, Widerstand und Veränderung. Ohne Worte entstehen Bilder, die unmittelbar wirken. Bewegungen brechen ab, greifen ineinander, stoßen sich ab und finden überraschend neue Wege. Die Körper reagieren aufeinander, verschieben Grenzen und schaffen Momente, in denen sich plötzlich etwas verändert. Realität erscheint dabei nicht als etwas Festes, sondern als etwas, das erst im Miteinander entsteht – und sich mit jeder Begegnung neu formt. Ausgangspunkt dieser besonderen Bewegungssprache sind auch die unterschiedlichen künstlerischen und biografischen Hintergründe der beiden Performerinnen. Was jede von ihnen an Erfahrungen, Prägungen und Perspektiven mitbringt, fließt in die Choreografie ein und macht Realidead zu einem intensiven Dialog zweier Wirklichkeiten. Gerade darin berührt die Performance den Kern des Festivalmottos un|verbunden?. Sie fragt nicht nach schnellen Antworten oder einfacher Harmonie. Stattdessen macht sie sichtbar, wie Verbindung überhaupt entstehen kann: indem wir Unterschiede nicht auflösen, sondern ihnen begegnen. Nähe wird hier nicht behauptet, sondern Schritt für Schritt ausgehandelt. Jede Bewegung verändert die andere. Jede Entscheidung erzeugt Resonanz. Realidead ist ein ebenso kraftvoller wie poetischer Tanzabend über Wahrnehmung, Identität und die Kunst, trotz unterschiedlicher Wirklichkeiten gemeinsam in Bewegung zu kommen. Eine Einladung, Verbindung nicht als Zustand zu verstehen, sondern als etwas, das immer wieder neu entsteht – zwischen Körpern, Blicken und Menschen. EMBERS | Today is Yesterday and Tomorrow is another place Was geschieht, wenn wir nach der Begegnung weiterfragen? Direkt im Anschluss an Realidead setzt EMBERS – today is yesterday and tomorrow in another place den Tanzabend fort und öffnet den Blick noch einmal neu. Während Realidead fragt, wie Verbindung zwischen unterschiedlichen Wirklichkeiten entstehen kann, richtet EMBERS den Blick auf eine Welt im Wandel – und auf die Frage, wie wir darin füreinander da sein können. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließen ineinander. Erinnerungen, Hoffnungen und das, was erst noch kommen wird, existieren gleichzeitig. Aus einer deutsch-indischen Perspektive entwickeln Lisa Bless und Anand Dhanakoti einen poetischen Tanzabend, der von Veränderung, Verlust und der Sehnsucht erzählt, in all dem nicht allein zu sein. Ausgangspunkt ist eine Welt, die sich verändert. Die Klimakrise bleibt dabei nicht abstrakt, sondern schreibt sich in Körper, Beziehungen und Bewegungen ein. Die Tänzer*innen suchen Nähe, verlieren sie wieder, tragen einander, halten sich fest und lassen los. Zwischen präziser Körperarbeit und beinahe rituellen Momenten entstehen eindrucksvolle Bilder von Erschöpfung und Hoffnung, von Bedrohung und dem tiefen Wunsch nach Verbindung. Besonders ist die choreografische Sprache selbst. Unterschiedliche kulturelle Prägungen, Bewegungsqualitäten und Rhythmen begegnen einander, ohne sich gegenseitig aufzulösen. Verbindung entsteht nicht durch Gleichheit, sondern durch Aufmerksamkeit, Vertrauen und das gemeinsame Aushandeln eines Miteinanders. Gemeinsam bilden Realidead und EMBERS einen außergewöhnlichen TANZ|DOPPEL|ABEND. Zwei Choreografien, zwei Handschriften, zwei Perspektiven – und doch kreisen beide um dieselbe Frage: Wie können wir einander begegnen, wenn unsere Wirklichkeiten verschieden sind und die Welt sich verändert? Realidead: Konzeption, Kreation, Tanz: Lena Valentina Hauth Tanz: Jovana Petrovska EMBERS | Today is Yesterday and Tomorrow is another place: Künstlerische Leitung, Kreation, Tanz: Lisa Bless Künstlerische Mitarbeit, Tanz: Anand Dhanakoti Musik: Peter Hinz Lichtdesign und Fotografie: Vojtěch Brtnický Mitarbeit: Pankaj Sihag Project Management und Unterstützung: Mel Brinkmann, Maíra Wiener EMBERS wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Tanz, gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur – und Kunstministerien der Länder.
Aufführungen | Schauspiel

Re-Lording Richard 3.0

THEATERNATUR Festival

Richard III. gilt als einer der berühmtesten Bösewichte der Weltliteratur. Doch dieses Bild verdankt er vor allem einem Autor: William Shakespeare. Mehr als hundert Jahre nach Richards Tod machte er den englischen König zum machthungrigen Tyrannen – und prägte damit bis heute unser Bild einer historischen Figur. Aber was, wenn diese Geschichte nur eine von vielen ist? In „Re-Lording Richard 3.0“ holt Philipp Sommer Richard III. aus dem 15. Jahrhundert direkt in unsere Gegenwart. Gemeinsam mit Alexa stellt sich der König seinem eigenen Nachruhm, widerspricht den überlieferten Erzählungen und beginnt, seine Geschichte selbst neu zu erzählen. Zwischen historischem Faktencheck, humorvollem Schlagabtausch und virtuosem Soloabend verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Inszenierung, zwischen Geschichte und Gegenwart. Dabei geht es um weit mehr als einen englischen König. Wer schreibt Geschichte? Warum setzen sich manche Erzählungen über Jahrhunderte durch, während andere verschwinden? Und wenn früher das Theater unsere Bilder von der Welt geprägt hat – welche Rolle übernehmen heute soziale Medien, Algorithmen und künstliche Intelligenz? Ausgangspunkt für den Abend war die Begegnung mit der Arbeit von Philippa Langley, die entscheidend dazu beitrug, das jahrhundertealte Bild Richards neu zu hinterfragen. So führte die künstlerische Recherche Philipp Sommer schließlich sogar in die Richard III Society, deren Mitglied er heute ist. Diese ungewöhnliche Verbindung aus Theater, historischer Forschung und persönlicher Neugier prägt den Abend bis heute. Mit viel Spielfreude, Tempo und feinem Humor verbindet Philipp Sommer Shakespeare, historische Forschung und aktuelle Fragen nach Fake News, Propaganda und Deutungshoheit zu einer ebenso unterhaltsamen wie klugen One-Man-Show. Ein Abend, der einen der bekanntesten Schurken der Theatergeschichte überraschend neu erscheinen lässt – und zugleich fragt, wer eigentlich darüber entscheidet, welche Geschichten bleiben. Regie / Spiel: Philipp Sommer Beratung: Maja Delinić Ton: Clemens Gutjahr Video: Peter Issig
Aufführungen | Performance

SURVIVAL OF THE FRIENDLIEST

THEATERNATUR Festival

Alle reden vom Schlechten im Menschen. Von Konkurrenz, Egoismus und der Frage, wie wir uns gegen Krisen, Kriege und gesellschaftlichen Zerfall behaupten können. Aber was, wenn wir seit Jahren der falschen Geschichte glauben? Also: Das Gute im Menschen? Und das einen ganzen Abend lang? Therese Lösch nimmt diese vermeintlich naive Idee erstaunlich ernst – und macht daraus einen ebenso klugen wie urkomischen Theaterabend. Inspiriert von den Forschungen des Evolutionsbiologen Brian Hare folgt sie den Spuren einer anderen Erzählung: Vielleicht haben sich nicht die Rücksichtslosesten durchgesetzt. Vielleicht waren es diejenigen, die miteinander leben, vertrauen und kooperieren konnten. Mit Witz, Scharfsinn, Selbstironie und überraschenden Selbstversuchen stellt sie unsere Gewissheiten über die menschliche Natur auf die Probe. Warum glauben wir dem Schlechten oft sofort – und dem Guten kaum? Wann ist Hoffnung eigentlich so verdächtig geworden? Und könnte Freundlichkeit am Ende radikaler sein als Zynismus? Die Performance tastet sich an eine Frage heran, die viel riskanter ist, als sie zunächst klingt: Was wäre, wenn Freundlichkeit keine Schwäche, sondern unsere größte Stärke wäre? Welche Geschichten erzählen wir uns eigentlich über uns selbst – und welche davon stimmen vielleicht längst nicht mehr? Gemeinsam mit Regisseurin Melina von Gagern entsteht ein ebenso kluger wie unterhaltsamer Theaterabend, der Wissenschaft, persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Beobachtungen miteinander verbindet. Dabei entsteht keine moralische Anleitung zum Gutsein, sondern eine neugierige Expedition in das, was Menschen zusammenhält – voller Selbstironie, überraschender Wendungen und Momente, die ebenso zum Lachen wie zum Nachdenken einladen. Eine wohltuend optimistische Veranstaltung. Konzept + Performance: Therese Lösch Konzept + Inszenierung: Melina von Gagern Text: Melina von Gagern, Therese Lösch, Melina von Gagern / Survey-Umfrage Bühne + Kostüm: Theresa Scheitzenhammer Koproduktion: Monologfestival 2025 / TD Berlin
Aufführungen | Schauspiel

SOLARIS? – Ein Protokoll

THEATERNATUR Festival

Eine Reise in eine scheinbar ferne Welt mit Aljoscha Stadelmann, bekannt als Frank Koops in der ARD-Serie „Harter Brocken“ und Melanie Seeland (Die Andere Welt Bühne): SOLARIS? – Ein Protokoll von Ines Burdow nach Motiven von Stanisław Lem Was bleibt, wenn niemand mehr antwortet – und nur noch das Protokoll läuft? Auf einer verlassenen Raumstation scheint Kris Kelvin (Aljoscha Stadelmann) der letzte Mensch im All zu sein. Von der Crew fehlt jede Spur, ob die Erde überhaupt noch existiert, bleibt ungewiss. Als Psychologe versucht er, Ordnung in eine Welt zu bringen, die sich jeder Erklärung entzieht. Er misst, prüft und protokolliert. Nicht aus Neugier, sondern weil das Protokoll der letzte Halt in einer Wirklichkeit ist, die aus den Fugen geraten ist. Für Kris gibt es nur noch zwei Zustände: richtig oder falsch. Dann erscheint Harey (Melanie Seeland). Eine Frau, die dort unmöglich sein kann und doch unübersehbar mit Kris‘ Vergangenheit verbunden ist. Mit ihrem Auftauchen beginnen die Gewissheiten zu bröckeln. Was ist Erinnerung? Was ist Wirklichkeit? Und was geschieht, wenn sich das, was wir verdrängt haben, nicht länger verdrängen lässt? Nach Motiven des weltberühmten Romans von Stanisław Lem entwickelt Autorin und Regisseurin Ines Burdow keinen klassischen Science-Fiction-Abend, sondern eine konzentrierte Versuchsanordnung über Wahrnehmung, Kontrolle und die Zumutung des Anderen. Zwischen Kris und Harey entspinnt sich kein gewöhnliches Liebesdrama, sondern ein existenzieller Dialog über Schuld, Verantwortung und die Grenzen menschlicher Erkenntnis. Mit Melanie Seeland und Aljoscha Stadelmann, bekannt aus der ARD-Reihe „Harter Brocken“, treffen zwei starke Schauspielpersönlichkeiten aufeinander und machen Lems zeitlose Fragen unmittelbar erfahrbar. SOLARIS? – Ein Protokoll ist ein atmosphärisch dichter Theaterabend über das Fremde in der Welt – und über das Fremde in uns selbst. Spiel: Melanie Seeland, Aljoscha Stadelmann (u. a. ARD – Serie „Harter Brocken“) Inszenierung: Ines Burdow Bühne + Kostüm: Ann-Christine Müller Ton: Bodo Strecke Licht: Dietrich Baumgarten Fotos: Julia Otto
Aufführungen | Schauspiel

Irgendwas mit: SCHNEEWITTCHEN! – Alles was ich dir nicht glaube (UA)

THEATERNATUR Festival

Schneewittchen ist tot. Vielleicht. Seit einer Ewigkeit liegt sie in einem gläsernen Sarg mitten im Wald. Als sich die sieben Zwerge dort zum ersten Mal seit langer Zeit wieder begegnen, fliegen sofort die Fetzen. Was als Wiedersehen beginnt, wird schnell zum großen Familienkrach. Wer trägt Schuld? Wer erinnert sich richtig? Und warum scheint plötzlich jeder in einem anderen Märchen gelebt zu haben? Wie konnte eine einst so enge Gemeinschaft so weit auseinanderbrechen? Und was hat Schneewittchen eigentlich damit zu tun? Aus dem berühmten Märchen wird eine ebenso urkomische wie überraschend aktuelle Suche nach dem, was Menschen verbindet, wenn wir uns nicht einmal mehr auf dieselbe Geschichte einigen können. Es war einmal vor langer, langer Zeit, als Schneewittchen starb. Es war einmal vor langer, langer Zeit, da legten die Zwerge das tote Schneewittchen in einen gläsernen Sarg oben auf einen Berg. Seitdem ist viel passiert: Der Tod krachte in das Zwergensystem wie ein Hammer aufs Spiegelglas. Die sieben Zwerge haben die Hütte im Wald und das Leben in Gemeinschaft verlassen. Sie legten die Arbeit im Berg nieder und zerstoben in alle Himmelsrichtungen. Auf Streit folgte Schweigen. Jahrzehnte der Stille zwischen den Zwergen. Nur zwei blieben am Sarg, um ihn zu bewachen und Schneewittchens Andenken zu wahren. Einmal im Jahr richten sie eine Gedenkfeier aus. Und heute ist es wieder soweit. Eine Einladung geht raus an alle Menschen, Zwerge, Tauben und Waldwesen: Zum 100. Todestag von Schneewittchen! Aber wer sitzt da plötzlich im Publikum?! Als die Zwerge nach einer halben Ewigkeit wieder aufeinandertreffen, fliegen sofort die Fetzen. Wer hat versagt? Was ist wirklich passiert? Wer ist wann und wieso gegangen? Und mit welchem Recht? Und es ist doch alles schon so endlos lange her … Zwischen Märchen, Familientreffen und Totenfest versuchen die Zwerge, ihre jeweilige Erinnerung ins richtige Licht zu rücken. Sie verlieren sich in den Rollen und den uralten Geschichten von damals. Sie verlaufen sich im Dickicht der Erzählungen, die scheinbar unvereinbar aufeinanderprallen. Und so geraten sie immer tiefer in einen urkomischen Kampf um Deutungshoheit und die Suche nach Wahrheit in einer Welt voller Wahrheiten. Was hält uns zusammen, wenn wir uns nicht mehr auf dieselbe Geschichte einigen können? Eine neue THEATERNATUR-Eigenproduktion voller Humor, Spielwut und Streitlust – über die vielleicht schwierigste Aufgabe überhaupt: miteinander verbunden zu bleiben. Spiel: Alina Weinert, Felix Römer, Arina Toni, Ina Gercke, Thomas Zerck Musik: Felix Römer Regie: Benjamin Junghans Dramaturgie: Rosa Rieck Bühnenbild + Kostüm: Tom Schellmann Titel: Kulturrevier Harz
Aufführungen | Aufführung

DOMinos: Richard III. von William Shakespeare

Gandersheimer Domfestspiele

Leicht gekürzt und neu gedichtet „Um diese Welt aus purer Lust zu verderben, bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden.“ William Shakespeares zeitloses Drama „Richard III.“ zeigt einen skrupellosen Politiker, der bereit ist jeden Preis zu zahlen, um König von England zu werden. Richard ist der Prototyp eines jeden Diktators: er spinnt Intrigen, lügt in einer Tour und schreckt auch nicht vor den schlimmsten Verbrechen zurück: Bruder- und Kindesmord. Mithilfe einiger Mitverschwörer plant er ein Komplott, um erst seine Brüder und dann seine Neffen loszuwerden. Langsam und beharrlich, Stück für Stück bahnt er sich seinen Weg zu Krone und Thron. Die DOMinos, der Jugendspielclub der Gandersheimer Domfestspiele, nehmen sich mit „Richard III.“ einen wahren Klassiker vor, den sie nicht nur modern inszenieren, sondern auch vollständig neu gedichtet haben. An die Stelle von Shakespeares Sprache und August Wilhelm Schlegels Übersetzung tritt eine moderne, leichter verständliche Version, vollständig in gereimten Versen formuliert. Begleitet von Gitarren-Musik bringen die DOMinos „Richard III.“ auf bisher unerhörte Weise auf die Bühne.
Aufführungen | Theater

Love Letters

Gandersheimer Domfestspiele

Ein Leben lang schreiben sie sich Briefe, voller Sehnsucht, Nähe, Distanz, Vertrautheit und Missverständnissen. In LOVE LETTERS entfaltet sich die bewegende Geschichte von Melissa und Andrew, die über Jahrzehnte hinweg durch ihre Worte verbunden bleiben, zart, humorvoll und tief berührend. In der Regie von Lukas Keller agieren die beiden Theaterbegeisterten Kristin Mössinger und Lothar Germer, Mitglieder des Extra Ensembles der Gandersheimer Domfestspiele. Die Produktion entsteht in Kooperation mit dem Theater aus der Zwischenzeit. Die Aufführung findet in der intimen Atmosphäre der Studiobühne statt: kein großes Bühnenbild, keine Distanz – stattdessen unmittelbare Nähe zu den Schauspieler*innen, die das Publikum ganz direkt in den Bann ziehen. Jede Nuance, jedes Lächeln, jede Regung wird spürbar. Dadurch entsteht ein intensives Theatererlebnis, das die Zuschauer*innen in die Gefühlswelt der Figuren hineinzieht. LOVE LETTERS ist ein stilles, konzentriertes Kammerspiel, das durch seine Schlichtheit besticht und gerade dadurch eine große emotionale Kraft entfaltet. Ein Abend, der zeigt, wie sehr Worte unser Leben prägen und wie nah uns Theater sein kann. In Kooperation mit dem Theater aus der Zwischenzeit Regie: Lukas Keller
Aufführungen | Theater

Das Bildnis des Dorian Gray

Gandersheimer Domfestspiele

Premiere: 23.7.2026 Nach dem großen Erfolg von George Orwell – 1984, das zwei Jahre in Folge ausverkauft war, kehrt Dominik Müller mit einem neuen Soloabend auf die Studiobühne der Gandersheimer Domfestspiele zurück. In einer kraftvollen, modernen Textfassung von Franziska Detrez erweckt er Oscar Wildes berühmten Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu intensivem, packendem Leben. Im Zentrum steht die zeitlose Geschichte eines jungen Mannes, der seine Seele für ewige Jugend verkauft – ein schillerndes Spiel um Schönheit, Verführung, Macht und moralischen Verfall. In der dichten Atmosphäre der Studiobühne entsteht ein unmittelbares, elektrisierendes Theatererlebnis, das den Zuschauer*innen keinen Moment der Distanz lässt. Ganz nah, fast zum Greifen, entfaltet sich ein psychologisches Kammerspiel über Eitelkeit, Vergänglichkeit und die dunklen Seiten der menschlichen Sehnsucht. Dominik Müller zeigt in einem Abend voller sprachlicher Präzision und emotionaler Intensität, wie aktuell Wildes Klassiker bis heute geblieben ist. Ein intensives Solo, das unter die Haut geht – sinnlich, verstörend und faszinierend zugleich.
Aufführungen | Theater

Pure Piaf

Gandersheimer Domfestspiele

„Milord“, „Padam, Padam“, „Je ne regrette rien“ oder „L’accordéoniste“ – diese Chansons haben Édith Piaf unsterblich gemacht. Die gefeierte Sängerin Sylphe (Sylvia Heckendorn), ausgezeichnet mit dem Roswitha-Ring der Gandersheimer Domfestspiele für ihre Piaf-Darstellung in SPATZ UND ENGEL, erweckt sie in intensiven Interpretationen zu neuem Leben. Begleitet wird sie von Christian Müller am Klavier, der mit feinsinnigem Spiel die ganze Bandbreite von zarten Stimmungen bis hin zu mitreißender Dramatik entfaltet. Gemeinsam schaffen die beiden eine Atmosphäre, die das Publikum tief berührt. Sylphe erzählt von den Geschichten in den Liedern und aus Piafs bewegtem Leben – offen, authentisch und voller Emotion. Ihre Stimme ist von packender Intensität, ihre Ausstrahlung unmittelbar und nahbar. Ein Abend, der Herzen ergreift, Erinnerungen weckt und die Faszination Piafs neu entdecken lässt.
Aufführungen | Musical

Hello, Dolly! - Das Musical

Gandersheimer Domfestspiele

Premiere: 3.7.2026 Mit HELLO, DOLLY präsentieren die Gandersheimer Domfestspiele einen der größten Klassiker des Broadway: sprühend vor Witz, voller Charme und mit mitreißender Musik. Im Mittelpunkt steht die unvergessliche Dolly Gallagher Levi – Heiratsvermittlerin, Lebensberaterin, Geschäftsfrau und Meisterin darin, überall ihre Hände im Spiel zu haben. Wenn Dolly beschließt, selbst nach dem großen Glück zu greifen, entfaltet sich eine turbulente Geschichte um Liebe, Geld, Missverständnisse und den Mut, das Leben in die Hand zu nehmen. Ohrwürmer wie „Put On Your Sunday Clothes“, „Before the Parade Passes By“ oder das legendäre „Hello, Dolly!“ sorgen für ausgelassene Stimmung und musikalische Glanzmomente. Vor der stimmungsvollen Kulisse der Stiftskirche verwandelt sich die Bühne in ein farbenfrohes Broadway-Spektakel: voller Energie, mitreißender Tanzszenen und einer Hauptfigur, die mit Humor und Herz alle in ihren Bann zieht. Ein Abend voller Lebensfreude und Glanz – so, wie ihn nur Dolly Levi auf die Bühne zaubern kann. Regie: Rita Sereinig Musikalische Leitung: Ferdinand von Seebach Choreographie: Dominik Müller

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